Reformorange

Tuesday, 31 March

Reformorange

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Historisierende Architektur verkauft sich gut, die Häschenschule ebenso.
Der Rückgriff auf althergebrachte Werte steigert den Umsatz; preußisch- militaristische Tugenden wie
Disziplin, Gehorsam, Unterordnung liegen wieder hoch im Kurs.
Die 68- er hatten just jene Traditionen angriffen; „unter den Talaren- Muff von 1000 Jahren“- statt
obrigkeitsstaatlichen Denkens forderten sie Teilhabe und Selbstbestimmung.
Mit diesem Programm wurde Anfang der 70- er Jahre auch ein Oberstufenzentrum im Berliner
Wedding gebaut; es besticht noch immer durch sein gewagtes orangenes Erscheinungsbild und suchte
einst mit Bibliothek, Mensa und Forum die Schule als Lernort zu öffnen. Dennoch wurde das Gebäude
2011 geschlossen- und somit dem Verfall preisgegeben. Erst 8 Jahre später, 2019, fiel in letzter
Sekunde die Entscheidung für den Denkmalschutz.
Ein Beispiel; es wirft Fragen auf: Welche Rolle spielt die Nachkriegsmoderne im gegenwärtigen
„historischen Bewusstsein“? Wie steht es um die von Adorno dem Faschismus entgegengesetzte
„Erziehung zur Mündigkeit“, die im Zweifel den Widerstand des Einzelnen gegen die Vielen fordert,
jetzt? In welcher Weise lässt sich die Mitsprache aller angesichts bestehender Privilegien und Biases
nicht nur bei politischen Mandatsträger*innen sondern auch in Gruppen, die sich als
basisdemokratische legitimieren, verwirklichen?
2019: Schüler*innen gehen auf die Straße, um ihre Zukunft einzuklagen, nicht in den Unterricht.

Date & Time: 

Tuesday, 31 March, 2020 - 19:00

Category: 

  • film

Topics: 

  • rauchfrei
Lichtblick
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